Nachruf für unseren Siegfried Fricke

Am 23.März 2021 verstarb unser verehrter Kollege Siegfried Fricke aus Hannover, geboren am 30.März 1930. Aufgewachsen in Wernigerode, begann er schon als Junge sich für den Flugzeugmodellbau zu interessieren und kam bald zur Segelfliegerei, was damals unter den politischen Verhältnissen im 3.Reich nur in der Flieger HJ ging. Aber bevor die Ausbildung richtig losging, kamen die Amerikaner, und Siegfried und seine gleichaltrigen Kameraden sollten via Volkssturm im April `45 noch den Endsieg im Harz gewinnen, als woanders die Amerikaner bereits an der Elbe waren.

Der gerade 15 Jährige kam mehrfach in lebensbedrohliche Situationen, barg Bomben-opfer aus den Trümmern und konnte aus kurzer US-Gefangenschaft fliehen, was ihm einen Aufenthalt in deren Hungerlagern auf den Rheinwiesen 1945 ersparte. Als dann die Russen seine Heimat übernahmen, machte er eine Bäckerlehre durch, ging dann aber bald in den "Westen", schließlich nach Hannover, fand dort Arbeit und gründete eine Familie.

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Siegfried links in seinem Hangar 7  beim Modellbau im Museum

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Beim Verlassen eines Convair Airliners im Luftfahrtmuseum Helsinki

Die Zeiten waren schlecht, und ein Unfall sorgte dafür, dass seine Füße ihn nur noch wenig tragen konnten. Er war auf Gehilfen (damals noch Krücken genannt) lebenslang an-gewiesen und musste wieder und wieder Operationen an den Beinen über sich ergehen lassen. Damit konnte er seinen erlernten Beruf (er hatte seine Meisterprüfung be-standen) nicht mehr ausüben. Aber damit kam ein neuer Abschnitt in sein Leben, er hatte das große Glück, Kartograf werden zu können, was er bis zur Rente in der Vor-           computerzeit auch war, als noch alles manuell gezeichnet wurde. Und er hatte ruhige Hände, die es ihm erlaubten, hochpräzise Plastikmodelle mit vorbildlicher Bemalung herzustellen. Ein zweites Hobby war seine ehrenamtliche Schwimmtrainertätigkeit, viele Hannoveraner Schwimmer brachten es weit damit, auch international.

Seine Freude am Flugzeugmodellbau führte ihn mit Anderen zur Gründung des Hannöverschen Plastik-Modellbau-Verein VdPM und 1992 zu Günter Leonhardt in sein neu gegründetes Luftfahrtmuseum Laatzen. Hier baute er zusammen mit dem damaligen 2. Vorsitzenden Karl Kössler, beruflich ehemaliger Präsident des Luftfahrtbundesamtes, die Modellflugzeugsammlung unseres Museums auf und wurde "unser Modellbaupapst". Eine so reichhaltige Sammlung von Modellflugzeugen von Beginn der Fliegerei bis heute, und derart präzise gebaut, haben wir bei vielen Besuchen in Luftfahrtmuseen weltweit nicht wiedergesehen.

Im Museum kümmerte er sich nicht nur um Modelle, sondern auch mit großer Begeisterung um die Besucherbetreuung, am liebsten um die Kinder.

Siegfried war ein ruhiger und bescheidener und sehr freundlicher Mitmensch, allem guten Neuen zugetan und mit einem enormen Wissen über Modellbautechniken und die deutsche Luftfahrt ausgestattet.

Bis ins hohe Alter, selbst noch in den Corona-Zeiten, hat er dem Museum die Treue gehalten und gewirkt, bis eine sich schnell ausbreitende schwere Krankheit ihn überwandt. 

Lieber Siegfried, wir danken Dir sehr für dein Engagement und für

die Zeit, die wir mit Dir verbringen durften. 

Das Museumteam

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