Macchi-Castoldi M.C.72

Seit geraumer Zeit nach dem Beginn der Fliegerei gab es einen Leistungswettbewerb für Wasserflugzeuge, der 1911 erstmals durchgeführt wurde und von dem französischen Industriellen Jaques Schneider gestiftet worden war. Nach Schneider hieß er entweder Schneider Trophy oder - Pokal.

1913 wurde er von der französischen Maschine Deperdussin Monocoque mit 73,5 km/h in einem Dreieckskurs von 280 km in Monaco gewonnen, Pilot war Marcel Prevost. 1913 siegte die britische Sopwith Tabloid mit Howard Pixton, die Geschwindigkeit betrug bereits knapp 140 km/h, ebenfalls in Monaco. Die Statuten sahen vor, dass immer das nächste Treffen im Lande des Siegers stattfinden sollte, doch der Weltkrieg kam dazwischen.

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"Schneider"-Siegerpokal

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Die Sowith Tabloid, Sieger von 1913

Und so gab es auch nie eine Chance einer deutschen Teilnahme durch den verlorenen Krieg und seinem für die deutsche Luftfahrt verheerenden Diktum  der Versailler Verträ-ge (dafür wurde hier aber aus denselben Gründen der Segelflug erfunden).

In der folgenden Zwischenkriegszeit wurde die Wettbewerbe wieder aufgenommen und es siegten ´mal Italien, ´mal die USA und natürlich die Briten. 1931 sollte dann der letzte Cup stattfinden, da die Briten bereits  3 x nacheinander mit Flugzeugen von Supermarine gewonnen hatten.

Und hier kommt die MC.72 ins Spiel, die den Sieg nach Italien holen sollte. Aber es gab technische Probleme, die ihr Konstrukteur Mario Castoldi erst 1932 erfolgreich lösen konnte, als bereits 3 von 4 gebauten Maschinen abgestürzt waren.

Die MC. 72 war ein drahtverspannter Eindecker auf 2 Schwimmern mit einem Doppelmotor von FIAT, der aus 2 wassergekühlten 12-Zyl- V-Motoren, die hintereinander eingebaut waren und jeder auf je eine Luftschraube wirkten. Diese "Einheit" entwickelte zunächst 1900 kW/2600 PS. später sogar 2282 kW/3100 PS.

Mit diesem überzüchteten Rennflugzeug holte im Oktober 1934 der Italiener Francesco Agello über dem Garda See den Geschwindigkeitsweltrekord nach Italien mit 709,202 km/h, auch zur Freude des Duces Mussolini und seiner Leute. Dieser Rekord hatte einige Jahre Bestand.

Die damals noch getrennten Rekordversuche für Land- ("Bendix Trophy") und Wasser-flugzeuge ("Schneider Trophy") erbrachten weder bei Howard Hughes/USA mit seinem Racer H-1 mit 567 km/h im Herbst 1935 noch bei Messerschmitt in Deutschland mit der Bf 109 V13 im November 1937 mit 610 km/h eine Überbietung dieses Rekordes, allerdings den Weltrekord für Landflugzeuge. Das geschah dann erst mit den deutschen Maschinen Heinkel He 100 im Frühjahr 1939 mit gut 746 km/h und wenig später von Messerschmitt mit der Me 209 Ende April mit gut 755 km/h.

Man sieht im Vergleich dieser der MC.72 nachfolgenden Rekordmaschinen, dass es um konsequente Widerstandsreduktion bei abgeleiteten Serienmotoren um zunächst 1000 PS ging, denn die riesigen Schwimmer und die Drahtverhaue der Macchi brauchten, um diese Leistung zu erbringen, die doppelte PS-Zahl der späteren Sieger.

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Technische Daten:

Länge 8,32 m, Spannweite 9,48 m. Höhe 3,30 m, Flügelstreckung 6,3, Leermasse 2800 kg, Startmasse 3025 kg, v/max 709,202 km/h. Triebwerk s. oben.

Macchi Castoldi MC72

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