Messerschmitt Bf 109 E-7/B

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Im Zeichen der Wespe: Eine Me Bf 109 E-7/ B in den Farben der III. Gruppe des Zerstörergeschwaders 1 vom Sommer 1942; hier im Maßstab 1/72 aus einem Bausatz des ukrainischen Herstellers ICM. Die Kabinenhaube ist geöffnet.

 

Vom Original zum Modell

Ein eigenständiger Teil der Sammlungen des Luftfahrtmuseums Hannover-Laatzen sind die rund 1.000 Maßstabsmodelle, vornehmlich der internationalen Standards 1/72 und 1/48.

Solche originalgetreuen Miniaturen ermöglichen Betrachtern musealer Technikgeschichte den „Überblick“, nicht allein auf das einzelne Exponat (mitunter sogar als einzige Möglichkeit der dreidimensionalen Schau, wenn es kein erhaltenes Original mehr gibt), sondern auch auf Entwicklungslinien des Flugzeugbaus durch hier mögliche Reihung und Gegenüberstellung; manchmal schließen sie sogar Lücken in der Präsentation der Originale. Ihre kunsthandwerkliche Qualität allein ist ein Schauvergnügen.

Heute stellen wir Ihnen in der Reihe ´Modell des Monats´ mit der Messerschmitt Bf 109 das mit rund 35.000 Exemplaren meistgebaute und nach darauf erzielten Luftsiegen erfolgreichste von einem Kolbenmotor angetriebene Jagdflugzeug der Welt vor – es steht in der Ausführung G-2 im Original in Hangar 2 des Museums und in allen seinen Versionen als Modell in den Vitrinen beider Ausstellungshallen. Wir haben uns davon einen Jagdbomber der ersten Großserie E ausgesucht.

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Zweitverwendung: Der Luftüberlegenheitsjäger der ersten gut zwei Kriegsjahre wird zum Jagdbomber – mit einer 250 kg-Sprengbombe oder 4 x 50 kg unter dem Rumpf.     

 

Das Modell:                Die „109 Emil“ vom ZG 1 im Maßstab 1/72

Unser Kit mit 57 Teilen und Schiebebildersatz kommt von der Firma ICM aus der Ukraine und stellt eine Messerschmitt Bf 109 E-7/B dar. Von den zwei möglichen Varianten haben wir eine Maschine der III. Gruppe des Zerstörergeschwaders 1 der Luftwaffe gebaut, welche im Sommer 1942 in der Sowjetunion kämpfte, bevor sie in den Mittelmeerraum verlegt wurde.

Ausführung und Detaillierung des Bausatzes sind gelungen, die separat gehaltene Motorhaube gibt auf Wunsch den Blick auf den allerdings nur angedeuteten DB 601 frei – das ist für den hierzu betriebenen Aufwand etwas schmal, hingegen ist das Cockpit vorbildlich wiedergegeben. Zwei Außenlasten stehen zur Wahl: eine 250kg- oder vier 50kg-Bomben mit entsprechenden Aufhängungen zentral unter dem Rumpf.

Das Original:              Dienstverpflichtet: die Me Bf 109 E-7/B

Weltrekordhalter, Luftüberlegenheitsjäger, Wunderwaffe. Symbol deutscher Ingenieurskunst und Schrecken der Gegner von 1937 bis 1941: das alles ist die legendäre Messerschmitt Bf 109 der ersten Baureihen B bis E (Spitzname nach dem deutschen Buchstabieralphabet: „Emil“). Konstruiert von Prof. Willy Messerschmitt (Me) in den Bayerischen Flugzeugwerken (Bf), nachdem dieser anstandslos dem politischen Zeitgeist folgend nach 1933 von erfolgreichen Sport- und Verkehrsflugzeugen ins militärische Fach gewechselt ist.

Seine Freude an Leistung und Erfolgen erfüllt indes auch die „109“ nach ihrem Erstflug 1935 bei verschiedenen internationalen Flugwettbewerben und Rekorden von 1936 bis ´39.

Und nach dem Triumph des Typs im spanischen Bürgerkrieg häufen die Piloten des Jagdeinsitzers auch in den Feldzügen des Blitzkrieges 1939/ 40 – Polen, Belgien, Niederlande, Frankreich – Luftsieg auf Luftsieg.

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Die gelben Markierungen an der Unterseite dienen zur Freund/Feind-Kennung der Luftwaffenmaschinen.

 

Vom Triumph zur blutigen Nase

Im Spätsommer 1940 dann der Karriereknick – in der Luftschlacht um England zeigt sich, die Briten haben inzwischen mit der Supermarine Spitfire ein gleichwertiges, im Vorteil der Defensive sogar teils überlegenes Jagdflugzeug und die 109 E-3 und E-4 ist wohl ein brillanter taktischer Jäger, für eine strategische Aufgabe wie Begleitschutz und Sicherung der Luftüberlegenheit über Meer und fremdem Territorium ist sie nicht gedacht und nicht konstruiert. Zwar wankt und blutet auch die Royal Air Force in den legendären Luftkämpfen über Englands Südosten, aber sie behauptet sich und den Himmel über Merry Old England; der Nimbus der Unbesiegbarkeit von Luftwaffe und ihrem Symbolvogel ist dahin.

Noch während der Luftschlacht „bestraft“ der vom Misserfolg seiner Luftwaffe persönlich tief getroffene Reichsmarschall und selbst ehemalige Jagdflieger Hermann Göring die Jäger durch Verwandlung eines Teils der Geschwader in Jagdbomber. „Wenn die Jäger die Bomber nicht ausreichend schützen könnten, sollten sie die Bomben gefälligst selbst hinübertragen…“ erinnert sich der spätere General der Jagdflieger Adolf Galland an die Weisung. Wobei der Grund fürs Scheitern tatsächlich weit mehr in der Strategie denn in der Taktik oder gar am Einsatzwillen lag. Ein tiefer Riss zwischen Truppe und Führung ist die Folge, ebenso das zwangsläufige Misslingen: die mit einer 250kg-Sprengbombe unter dem Rumpf ´dienstverpflichteten´, vergleichsweise langsamen und unbeweglichen E-4/B binden nun den Rest des Jagdschutzes, die Verluste der Bomber und Stukas werden untragbar; dazu ist die Wirkung der provisorisch geschulten „Behelfsbomber“ minimal. Die Luftschlacht um England wird nicht gewonnen – die Luftwaffe und die 109 haben sich eine blutige Nase geholt… mit dem Erkenntnisgewinn, dass auch für erfolgreiche Jagdbombereinsätze in der Fläche zunächst einmal die Luftherrschaft unabdingbar ist.

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Die Draufsicht zeigt das Tarnschema der Luftwaffe in der Mitte des Krieges; rot eingefasst der Trittbereich auf den Tragflächen.

 

Die zweite Karriere

Der Balkanfeldzug des Frühlings 1941, durch Abfall und militärisches Scheitern von Verbündeten strategisch bereits aufgezwungen, sieht die 109 E dann noch einmal als überlegene Waffe - in beiden Rollen. Gegen tapfere, taktisch und materiell jedoch unterlegene Gegner (Jugoslawien, Griechenland und ein starkes britisches Expeditionskorps – jedoch ohne Spitfires, welche als Lebensversicherung in England bleiben) überzeugt die Maschine mit ihren einsatzerfahrenen Mannschaften als Jäger wie als Jagdbomber (´Jabo´) in den Baureihen E-4 und E-7 und führt den deutschen Angriff bis zur Eroberung Kretas an. Ausfälle und Abnutzung dieses „Parforcerittes“ sollen sich freilich bei Heer wie Luftwaffe im überdies deswegen verzögerten Angriff auf die Sowjetunion bitter bemerkbar machen.

Inzwischen hat die aerodynamisch optimierte Version F („Friedrich“ im Luftwaffenjargon) die E als Standardjäger abgelöst, die darauffolgende Baureihe G („Gustav“) steht bereits in der Erprobung. Damit wird die „Emil“ jetzt zum alten Herrn – und anderen Aufgaben zugeteilt.

Feuerwehr & Nothelfer

Und die sind drängend… Die Sowjetunion hat 1942 die schweren Verluste des ersten Feldzugsjahres aufgefangen, ihre riesigen Ressourcen an Menschen und Material – nicht zuletzt durch massive Hilfslieferungen der Westalliierten – mobilisiert, und zwingt die Wehrmacht in einen Abnutzungskrieg, dem diese nicht gewachsen sein kann. Die Luftwaffe wird von einem autonomen Wehrmachtsteil zur fliegenden Feuerwehr des Heeres und mit jeder verfügbaren Maschine in jede kritische Situation geworfen. Dabei erzielen in der freien Jagd deutsche Piloten um Erich Hartmann, Gerhard Barkhorn und Günther Rall, vornehmlich auf der Me 109 F und G, seither unerreichte Abschusszahlen.

Ganz vorn und ganz nah dran aber kämpfen die Schlachtflieger- und die Zerstörergeschwader, diese meist mit den zweimotorigen Me 110 und 210 ausgerüstet, doch in der Not ergänzt von der Jabo-Version der Me 109 oder auch der Focke Wulf 190. Ein letztes Mal treibt die 109 E so im Sommer 1942 eine deutsche Offensive voran: doch dieser Angriff am Südabschnitt der Ostfront wird in Stalingrad verbluten – und die Schlacht zum Synonym für die Kriegswende werden.

Aussortiert

Zugleich kommen neue, entgegen den Beteuerungen der deutschen Propaganda kampfstarke Sowjetjäger an die Front: die Jakowlew Jak-9 und die Lawotschkin La-5 – denen sind die nun leistungsmäßig überholten, materialermüdeten und bombenbeschwerten 109 Emil deutlich unterlegen. Das Zerstörergeschwader 1 mit der stilisierten Wespe als Emblem wird in den Winterkämpfen um Stalingrad insgesamt schwer dezimiert – diesem Opfergang allerdings entgeht dessen mit 109 ausgerüstete III. Gruppe durch unmittelbar vorherige Verlegung in den Mittelmeerraum, wo sie zu Sicherungsaufgaben für Rommels Afrika Korps auf neue Flugzeugtypen umschult. Und bis zur Jahresmitte 1943 sind dann in der gesamten Frontverwendung vom Eismeer bis Sizilien kaum mehr Maschinen der E-Serie anzutreffen.

All dies und noch viel mehr Geschichte und Geschichten erzählt dieses kleine Flugzeugmodell als eines von tausend im Luftfahrtmuseum. Und da sind wir noch nicht einmal bei den Originalen…

Konnten wir Sie neugierig machen? Dann würden wir uns über Ihren Besuch in der Ulmer Straße gegenüber dem hannoverschen Messegelände freuen!                                sb

 

 

 

Datenblatt Me Bf 109 E-7/B

Länge; Spannweite: 8,64 m; 9,90 m

Leergewicht: 2.010 kg

Motor: Daimler-Benz DB 601Aa V12-Flugmotor mit 1175 PS

Bewaffnung: 2 x 7,9 mm MG, 2 x 20 mm MK, Bombenlast bis 250 kg

Höchstgeschwindigkeit: 540 km/h

Reichweite: 660 km

Dienstgipfelhöhe: 9.500 m

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Im Bau. Beachte die alternative Bombenlast und die noch nicht aufgesetzte Motorhaube.

Zum Geleit:

Aus Originaltreue und ohne Wertung ist auch dieses Flugzeugmodell in seinen Markierungen authentisch und damit historisch korrekt gehalten. Alles andere wäre eine Geschichtsfälschung.

Gleich, ob Sowjetstern, Hammer und Zirkel oder Swastika – „Vom moralischen Standpunkt kann man keine Weltgeschichte schreiben“ wusste Goethe, und der große Historiker L. von Ranke forderte von der Geschichtsschreibung, zu „zeigen, wie es eigentlich gewesen.“  Dafür steht dieses Museum ein.

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