Unser Buch des Monats Dezember 2025
Die spektakulärsten Flugunfälle
Fakten – Hintergründe – Konsequenzen
Ich habe zwei Anläufe gebraucht, um dieses Buch zur Hand zu nehmen. Die Fliegerei ist seit Kindesbeinen eines meiner Herzensthemen - und Flugunfälle werden in den Medien nicht selten mit mangelhafter Sachkenntnis und unnötiger Dramatisierung behandelt. Vielleicht nachvollziehbar also, dass mich der Titel genau deshalb zunächst abgeschreckt hat.
Doch bereits das doppelseitige Vorwort des Autors hat mich eines Besseren belehrt.
Für alle, die es eilig haben, verrate ich es gleich: Aerophilen Menschen bietet dieses Buch eine hochinteressante Lektüre! Sachlich und analytisch in allen Beiträgen - und zugleich in entscheidenden Momenten emotional engagiert. Das hat mich beeindruckt.
Nach dieser Lektüre wollte ich natürlich mehr über den Autor erfahren. Die Recherche war unkompliziert: Andreas Fecker ist in der Luftfahrt kein Unbekannter. Ehemaliger Fluglotse, Strukturplaner, Luftraumorganisator und zudem Autor vielfach geschätzter Luftfahrtliteratur. Kurz gesagt: ein Mann, der weiß, worüber er schreibt - und wovon er spricht.
Zurück zum Buch. Schon die Struktur ist bemerkenswert, denn sie deckt einen Zeitraum von rund 80 Jahren ziviler Luftfahrt ab. Und zwar in Jahresrückblicken. Einige Vorfälle haben militärische Anteile oder sind besonders ungewöhnlich, haben deshalb Eingang gefunden - bleiben aber die Ausnahme. Das Buch beginnt im Jahr 1945, in dem elf Unfälle gelistet sind; sechs davon werden näher beschrieben. Besonders relevante Informationen zu einzelnen Ereignissen sind in farbig hinterlegten Texten hervorgehoben.
Die ersten Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg erscheinen aus heutiger Sicht noch vergleichsweise „harmlos“: Die Passagierzahlen waren gering, Reglements und Organisation lückenhaft. Doch schon hier zeigt der Autor klar auf, welche Erkenntnisse aus den Unfällen in den sich entwickelnden Luftverkehr eingeflossen sind. Die Komplexität nimmt Dekade um Dekade zu. Allein diese Vermittlungsleistung für die Lesenden ist bemerkenswert gelungen.
Mit dem Comet-1-Desaster taucht erstmals ein Unfallgrund auf, der zuvor in dieser Form unbekannt war: die Materialermüdung der Druckkabine. Andreas Fecker widmet sich diesem Thema an mehreren Stellen und ordnet es fundiert ein.
Mit der zunehmenden Verbreitung von Düsenjets verändert sich auch die Art der Unfälle. Der Luftraum und die Flughäfen werden dichter, die Technik komplexer, die Anforderungen an Mensch und Material steigen. Später kommen politische, terroristische und sogar suizidale Ereignisse hinzu, die Flugreisen auf tragische Weise enden lassen. Vor all diesen Themen macht Fecker keinen Halt. Er beleuchtet sie mit großer Sorgfalt, fachlicher Kompetenz und - wie ich finde - mit spürbarer Empathie.
Bemerkenswert ist zudem, dass auch glimpflich verlaufene Ereignisse ihren Platz finden. Oder außergewöhnliche Einzelgeschichten wie die der 17-jährigen Juliane K., die aus rund 3000 Metern Höhe mitsamt ihrem Sitz aus einem abstürzenden Flugzeug gerissen wird und im peruanischen Urwald wieder zu sich kommt. Schwer verletzt schlägt sie sich elf Tage lang durch den Dschungel, bis sie schließlich auf Menschen trifft. Unglaublich! Dieses Ereignis wird zu Recht auf einer Doppelseite gewürdigt - ein beeindruckendes Beispiel für Lebensmut.
Mein abschließendes Urteil über diesen Band lautet: absolut lesenswert!
Die Mediadaten und ein Blick ins Buch finden Sie hier.
Kontakt zum Autor der Buch-des-Monats-Reihe können Sie hier aufnehmen: Buchautor




