Unser Buch des Monats Februar 2026
HORTEN HO 229 – DER LEGENDÄRE NURFLÜGEL
Die sogenannten Nurflügel-Flugzeuge haben mich immer schon fasziniert. Im Grunde fast wie die „Fliegenden Untertassen“, aber eben keine Tasse sondern eine Art fliegendes Service-Tablett.
Meine frühen Modellbauerfahrungen beschrängten sich auf Versuche mit Fesselflugzeugen, sogenannten „Fuchsjagd“-Modellen, die mir aber die Problematik dieser Aerodynamik schon deutlich machte. Nun ist mir die Tage ein wirklich sehr umfassendes Buch zum Nurflügler-Thema in meinen Leseorbit gerauscht. Andrei Schepelew und Huib Ottens sind die Autoren des Titels HORTEN HO 229, DER LEGENDÄRE NURFLÜGEL
Ich muß sagen, die Lektüre dieses Werkes hat mich in vielfacher Hinsicht schlauer, motivierter und um einige Erkenntnisse reicher gemacht.
Zunächst die Facts: Die 144 Seiten im Format 230x 265mm sind sehr reich bebildert. Preis 34,90€
In Kapitel 1 wird die Entwicklung des Nurflügel-Gedankens, die Segelflug-Versuche auf der Wasserkuppe und motorisiert auf verschiedenen Flugplätzen, noch „zivil“, spannend geschildert.
Kapitel 2 widmet sich unter dem Titel „Der Nurflügler im Krieg“ der Spezialisierung des Flugzeuges als Waffe.
Kapitel 3 ist fixiert auf das Thema „Der England-Bomber“.
Mit Kapitel 4 erreicht die Entwicklung ihren Höhepunkt unter „Die Fledermaus aus Gotha“, wo die Gothaer-Waggonfabrik in eine geplante Vorserie eingebunden wird.
„Letzte Bastion Thüringen“ (Kapitel 5) ist letztlich 1945 der Endpunkt der HO 229.
Das Kapitel 6 beschäftigt sich ausführlich mit der Tatsache, was überhaupt an Entwicklungen damals in die Hände der Siegermächte gefallen ist; eine sehr ausführliche Darstellung mit viel Bild- und Skizzenmaterial. Quasi ein siebtes Kapitel ist für mich das Nachwort „Bleibendes Vermächtnis“, weil es die Geschichte des letzten noch existenten Teilstückes der HO 229 V3 in Text, vielen Zeichnungen, Fotos und Grafiken auf zeigt.
Das mal als kleine Stimmungsübersicht.
In sich hat das Werk aber auch einen nicht zu unterschätzenden strömungsphysikalischen Fachinhalt. Die Autoren setzen sich mehr als für mich zu erwarten war mit den speziellen aerodynamischen Gegebenheiten einer leitwerkslosen Nurflügelkonstruktion auseinander. Ein Sonderkapitel dreht sich um „Auftriebsverteilung an den Tragflächen“, dem „Wendemoment“, „Tragflügel-Schränkung“, „Überzieheigenschaften“ und dem Mitten-Effekt“. Gelungen auch die Erklärung der „Glockenauftriebsverteilung“, ein spezielles Thema der Gebrüder Horten! Also ich bin schon sehr angetan von dieser Arbeit.
Aber vielleicht hat das auch damit zu tun, das ich in den 80er und 90er Jahren aktiver Drachenflieger war und miterlebt habe, wie sich der profillose „Simpeldrachen“ von Francis Rogallo mit Gleitwinkel „Eins zu Stein“ in fest profiliertes Hochleistungsgerät wandelte. Und wenn ich mir die Ho 229 so anschaue: Mein „Spider“ von Bichlmaier sah von oben nicht anders aus und flog „wie ne Eins“ mit einer Gleitzahl über 10. Und heute geht das Doppelte!
Übrigens war bei der reinen Gewichtskraft-Steuerung mit Steuerbügel kein negatives Wendemoment zu erleben. Nein, ganz im Gegenteil: (Rechts-) Kurven mit etwas Speed einleiten (also Bügel nach links und leicht ziehen), Kurve ausfliegen (halten und leicht drücken), wieder sanft abfangen (Bügel gerade und leicht ziehen) und einfach gerade aus (Bügel neutral) weiter... Ich denk noch zu gerne daran, wie toll diese Nurflügler geflogen sind. Ganz ohne Klappen, Spoiler oder Seitenruder.
Also was ist mein Fazit?
Dieses Buch ist lesenswert – staunenswert – studierenswert – träumenswert
ach, kauft`s einfach... Interessante Blicke ins Buch gewährt diese Link.
Euer buchpilot24
Kontakt zum Autor der Buch-des-Monats-Reihe können Sie hier aufnehmen: Buchautor




