logo3

Geschenktipp für Weihnachten 2025

Achim Figgen / Jens Flottau / Dietmar Plath
BOEING – DER PIONIER DER LÜFTE

Bücher über die Gründerväter großer Luftfahrtunternehmen haben derzeit Konjunktur. Ob Willi Messerschmitt, Hugo Junkers oder Graf Zeppelin – das Interesse an den Wurzeln der Luftfahrt ist zurück. Meist mit alten, teils unbekannten Bildern, vielen vertrauten Fakten und neuen zeitgemäßen Einschätzungen, die das außergewöhnliche Wirken dieser Persönlichkeiten aus heutiger Sicht einordnen. Und das ist durchaus sinnvoll, denn technische, gesellschaftliche und kulturelle Maßstäbe verändern sich – und damit auch unser Blick auf historische Leistungen.

Vor kurzem landete ein weiteres Gründerbuch auf meinem Lesepult:

BOEING – Der Pionier der Lüfte

Ganz ehrlich: „Pioniere der Lüfte“ hatten wir in den vergangenen Jahren schon einige Male. Das soll keinesfalls despektierlich klingen – im Gegenteil. Niemand möchte den großen Gestalten der frühen und späteren Luftfahrt ihre beeindruckenden Leistungen absprechen. Alle Genannten und Ungenannten waren zweifellos echte Pioniere.

Doch William Edward (Bill) Boeing steht für etwas Besonderes: Er ist der Begründer einer Marke, in der sich Tradition, Innovationskraft und weltweite Bedeutung vereinen. Seit vielen Jahrzehnten ist der Name Boeing jedem geläufig, der sich – beruflich oder privat – in die Luft begibt. Warum? Weil es Menschen gab, die eine Vision Schritt für Schritt in langfristige Strategie überführten und konsequent an der Umsetzung festhielten.

Gerade deshalb ist die Geschichte dieses Unternehmens so spannend. Sie ist heute voller Fragezeichen – aber genauso voller Hoffnung.

Das Buch erzählt die ganze Boeing-Story: von den frühen Jahren und den ersten Schritten im Fluggeschäft über Nachbauten und Serviceleistungen bis hin zu eigenen Konstruktionen. Selbst die Gründung einer eigenen Fluglinie wird thematisiert. Und natürlich finden auch die dynamischen 1930er Jahre mit dem Aufbau des inneramerikanischen Luftverkehrs ihren Platz. Interkontinental wird es mit dem China Clipper sowie dem Stratoliner und Stratocruiser der 1940er Jahre – den letzten großen Kolbenmotor- und Propeller-Verkehrsmaschinen aus dem Hause Boeing.

Besonders lohnenswert wird es ab der Zeit nach 1950. Hier erfährt man viel, was in dieser konzentrierten Form selten aufbereitet wurde, angereichert mit heutigen Hintergründen und Einschätzungen. Die Entwicklung der 707, inklusive ihrer Varianten, ebenso die der 727 und 737, wird ausführlich und lebendig dargestellt. Natürlich kommt auch die 737 MAX nicht zu kurz – das Kapitel dazu ist sachlich, detailliert und umfassend.

Den nächsten großen Schritt macht dann der Jumbo-Jet: die 747, Schlüssel zur Erfüllung unzähliger Reiseträume. Mit 23 Seiten widmet Autor Achim Figgen diesem Typ den größten Raum – vollkommen zu Recht. Es folgen die Modelle 757, 767, 777X und 787; alle sorgfältig und kenntnisreich erklärt. Und ja: Auch die 717, einst als DC-9 und später als MD-11 gestartet, findet ihren Platz.

Am Ende wird der Dreamlifter, die 747-LCF-400 – gewissermaßen Boeings Gegenstück zur Airbus Beluga – detailliert vorgestellt. Besonders eine Grafik fällt auf: Dort stehen als BOEING-Projektpartner neben STORK/Fokker aus den Niederlanden und GAMESA aus Spanien auch Konstruktionsbeiträge des Boeing Design Center Moscow. Moment mal – Moskau? Tatsächlich: In Russlands Hauptstadt wurden über viele Jahre hinweg wesentliche Entwurfs- und Konstruktionsarbeiten für den Dreamlifter geleistet. Und nicht nur für ihn, sondern auch für 757, 767 und 777. Ein erstaunlicher Fakt, der mich wirklich überrascht hat.

Was in diesem Zusammenhang noch zu erwähnen ist: Das Buch beschäftigt sich fast ausschließlich mit den Verkehrsmaschinen des Herstellers. Am Rande wird die Nutzung technischer Erkenntnisse aus dem Militärflugzeugbau angesprochen, wie z.B. bei der B-17 zur B-377 oder der B-47 zur B-707. Aber grundsätzlich ist das Werk „ein ziviles“, was ich selbst als sehr angenehm empfinde. 

Nach der Lektüre dieses hochinteressanten Buches möchte ich noch eine Passage aus dem Vorwort von Achim Figgen zitieren:

„Man tut William Boeing vermutlich nicht unrecht, wenn man ihn nicht als genialen Flugzeugkonstrukteur verehrt. Doch weil er und seine Nachfolger es immer wieder verstanden, die richtigen Leute auf die verantwortlichen Stellen zu berufen, konnte die von ihm gegründete Firma über die Jahrzehnte zum wichtigsten Produzenten von zivilen (und militärischen) Flugzeugen aufsteigen.“

Wer diese Zeilen vorab studiert, bekommt das perfekte Rüstzeug für die folgenden 185 Seiten. Gut geschrieben und angenehm gestaltet, mit vielen wirklich tollen (zum Teil doppelseitigen) Aufnahmen ausgestattet, ist es ein Buch für alle, die sich für Luftverkehrsgeschichte interessieren. Und „die richtigen Leute“ sind darin übrigens auch mit Rang, Namen und Kurzvita vertreten. 

Den Autoren Achim Figgen, Jens Flottau und Dietmar Plath ist hier was richtig Gutes gelungen.

Klare Empfehlung!

buchpilot24

Wer mehr zum Titel erfahren will schaut hier.

Wer mehr über BOEING Germany wissen will schaut hier.


Kontakt zum Autor der Buch-des-Monats-Reihe können Sie hier aufnehmen: Buchautor