Modell des Monats Februar 2026
Leibwache: Focke-Wulf 190 D-9 des J.V. 44
Vom Original zum Modell
Ein eigenständiger Teil der Sammlungen des Luftfahrtmuseums Hannover-Laatzen sind die mehr als 1.000 Maßstabsmodelle, vornehmlich der internationalen Standards 1/72, 1/48 und 1/32.
Solche originalgetreuen Miniaturen ermöglichen Betrachtern musealer Technikgeschichte den „Überblick“, nicht allein auf das einzelne Exponat (mitunter sogar als einzige Möglichkeit der realen dreidimensionalen Ansicht, wenn es kein erhaltenes Original mehr gibt), sondern auch auf Entwicklungslinien des Flugzeugbaus durch hier mögliche Reihung und Gegenüberstellung. Ihre kunsthandwerkliche Qualität allein ist ein Schauvergnügen.
Das Luftfahrtmuseum zeigt neben einer restaurierten Focke-Wulf 190 A-8 originalgetreue Miniaturen aller Baureihen dieses hervorragenden Jagdflugzeuges in verschiedenen Maßstäben in seiner Modellausstellung. Hier zeigen wir Ihnen als ´Modell des Monats´ nun die Miniatur eines Exemplars der Fw 190 D-9 – in einer besonderen Lackierung und Mission...
Das Modell
Vom Museumsvereinsmitglied Wilfried Lassoff erbaut, stellt das Modell eines der fünf Flugzeuge des „Sachsenberg-Schwarms“ dar, deren Aufgabe die Sicherung der Me 262 A des Jagdverbandes 44 bei Start und Landung war.
Der vom japanischen Hersteller Tamiya in erstklassiger Qualität produzierte Bausatz erlaubt in 1/48 bei handlicher Größe des Modells doch eine beeindruckende Detaillierung.
Das dargestellte Exemplar der 190 D-9 trägt als ironisches Motto die Inschrift „Im Auftrage der Reichsbahn“ auf dem Rumpf, ein Indiz für zurückliegende Einsätze gegen die britischen und US-amerikanischen Jagdbomber, welche Güter- und Personenzüge der Reichsbahn angriffen.
Das Original
Der „J.V.44“ (Jagdverband 44) unter Führung Adolf Gallands - nach dessen Ablösung als General der Jagdflieger aufgrund fachlichen Dissens´ mit der politischen Führung - versammelte die besten Jagdflieger der Luftwaffe auf dem besten Abfangjäger-Typ des Weltkrieges zu einer vornehmlich symbolischen Aufgabe. Mit selten mehr als 12 gleichzeitig einsatzbereiten Maschinen in den letzten drei Kriegsmonaten erzielte die Einheit noch bemerkenswerte Erfolge gegen die erdrückende Überzahl der alliierten Luftstreitkräfte: Die beabsichtigte Demonstration der technischen Überlegenheit des Düsenjägers Me 262 und der Richtigkeit von Gallands diesbezüglichen strategischen und taktischen, rüstungsfachlichen und militärischen Positionen gegenüber der Reichsführung, welche ihn seine Position gekostet hatte.
Dieser in den letzten Wochen des zweiten Weltkrieges von München und dann Salzburg aus operierende Jagdverband 44 erhielt als Platzschutz fünf Focke Wulf 190 D-9 bzw. D-11 zugeteilt, deren Piloten wie jene der „262“ Galland persönlich auswählte. Aufgabe dieser kleinen Gruppe war es, die bei Start und Landung durch alliierte Jäger und Jagdbomber verwundbaren Strahljäger zu schützen. Der nach seinem Chef Leutnant Sachsenberg als „Sachsenberg-Schwarm“ bezeichnete Verband operierte in Höhen von nur rund 500 Metern und sollte die P-51 Mustangs und P-47 Thunderbolts der Amerikaner bekämpfen, sozusagen als Leibwache in Bodennähe der ab einer gewissen Höhe und Geschwindigkeit kaum noch gefährdeten „262“.
Als stärkster Kolbenmotorjäger der Luftwaffe war diese von einem JuMo 213 A angetriebene Fw 190 der Baureihe D die Maschine der Wahl für jenes „Himmelsfahrtskommando“. Denn man operierte mit minimalen Vorwarnzeiten in einem überfüllten und vom Gegner kontrollierten Luftraum – unter dessen Feuer wie dem eigener Flak-Geschütze, wobei ein rettender Fallschirmabsprung in den Einsatzhöhen kaum möglich war…
Zur Freund-/Feind-Kennung der Flak waren immerhin die Unterseiten der 190er des Platzschutz-Schwarms leuchtend rot mit weißen Streifen lackiert: dies brachte der Gruppe nach dem Krieg denn auch die Bezeichnung „Papagei-Staffel“ ein.
Datenblatt der Fw 190 D-9
Länge 10,20 m, Spannweite 10,50 m, Leermasse 3.180 kg, Startmasse 4.636 kg, Antrieb 1 x JuMo 213 A 12-Zylinder Reihenflugmotor mit 1.750 PS (mit Einspritzung kurzzeitig 2.100 PS), Höchstgeschwindigkeit 686 km/h, Reichweite ca. 810 km, Bewaffnung 2 x MG 151/20 (20 mm-MK) und 2 x MG 131 (13mm-MG), Besatzung 1, gebaute Exemplare der D-Serie 1.805, im Einsatz Okt. 1944 bis Mai 1945, danach Erprobung und Truppendienst bei verschiedenen Siegermächten.
Willkommen!
Konnten wir Sie neugierig machen auf unsere Sammlungen mit über 40 Originalen und originalgetreuen Nachbauten von Segel-, Leicht-, Verkehrs- und Militärflugzeugen, noch einmal so vielen Triebwerken und Hunderten von Ausrüstungsgegenständen sowie unserer Modellsammlung? Dann freuen wir uns auf Ihren Besuch in der Ulmer Straße am hannoverschen Messegelände: Wir sehen uns!
sb
Kontakt zum Autor der Modell-des-Monats-Reihe können Sie hier aufnehmen: Autor-MdM



