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Modell des Monats Juli 2025

Nur für Kenner … Die Heinkel He 280

Vom Original zum Modell

Ein eigenständiger Teil der Sammlungen des Luftfahrtmuseums Hannover-Laatzen sind die mehr als 1.000 Maßstabsmodelle, vornehmlich der internationalen Standards 1/72, 1/48 und 1/32.

Solche originalgetreuen Miniaturen ermöglichen Betrachtern musealer Technikgeschichte den „Überblick“, nicht allein auf das einzelne Exponat (mitunter sogar als einzige Möglichkeit der realen dreidimensionalen Schau, wenn es kein erhaltenes Original mehr gibt), sondern auch auf Entwicklungslinien des Flugzeugbaus durch hier mögliche Reihung und Gegenüberstellung. Manchmal schließen sie sogar Lücken in der Präsentation der Originale. Ihre kunsthandwerkliche Qualität allein ist ein Schauvergnügen.

Heute stellen wir Ihnen in unserer Reihe ´Modell des Monats´ einen wirklichen Meilenstein im Flugzeugbau vor: die Heinkel He 280 von 1941. Das erste zweistrahlige Düsenflugzeug und das erste als solches konstruierte Jagdflugzeug mit diesem Antrieb weltweit, dazu das erste mit einem Schleudersitz – nebenbei das erste deutsche Flugzeug mit Bugfahrwerk. Und so unglaublich es klingt: Fast nur in Fachkreisen bekannt…

Die He 280 mit HeS 8 A-Turbinen in 1/72. Das Museum zeigt ein Modell aus dem schönen HUMA-Kit, gebaut von Peter Heck, Korschenbroich.

Die Modelle

Das Luftfahrtmuseum präsentiert in seinen Modellvitrinen in Halle 2 verschiedene Miniaturen des Typs in den Maßstäben 1/72 und 1/48. Der klassische Kit in erstgenannter Verkleinerung kam Anfang der 1990er Jahre von der Hanauer Firma HUMA: Alle Versionen des Typs konnten damit erstellt werden, Detaillierung und Schiebebildersatz des Bausatzes waren hochwertig (Man darf es ruhig mal sagen: Wir vermissen diesen kleinen und feinen Hersteller aus dem Hessischen!).

Das 1/48er Modell in der Themenschau zum Schnellflug wurde aus dem hochdetaillierten Eduard-Kit erstellt von Hans Stockmann, Porta Westfalica und zeigt die V2 des Erstfluges am 30. März 1941.

Das Original

Im Juni und August 1939 hatten die Ernst Heinkel Flugzeugwerke in Rostock mit der He 176 das erste Raketenflugzeug und mit der He 178 das erste Düsenflugzeug der Luftfahrtgeschichte geflogen. Die beiden kleinen einsitzigen Erprobungsträger für neue Antriebe wurden vom Reichsluftfahrtministerium RLM freundlich zur Kenntnis genommen, mehr nicht. Die Zeichen standen auf Krieg und der Fokus lag auf der Rüstungsproduktion erprobter Systeme. Für Grundlagenforschung und Pioniertaten hatte man seinerzeit in Berlin keinen Sinn.

Die He 178 (fürs Museum in 1/72 gebaut von Siegfried Fricke) war 1939 das weltweit erste turbinengetriebene Flugzeug. Auf sie folgte rund 18 Monate später die zweistrahlige He 280PG

Sicherlich tat auch die gegenseitige Antipathie zwischen dem genialen Konstrukteur, Unternehmer und Mentor auf der einen und den Nationalsozialisten auf der anderen Seite ein Übriges, die Leistungen Heinkels im RLM nachlässig zu bewerten.

Immense Potenz

Doch Ernst Heinkel gab nicht auf. Um die immense Potenz des neuen Strahlantriebes, entwickelt vom Ingenieur H.J. Pabst von Ohain, zu demonstrieren, ließ er mit dem Projekt 280 ein revolutionäres Jagdflugzeug entstehen – wie andere Konstruktionen des gebürtigen Württembergers Heinkel wurde diese Maschine mit einer Fülle technischer Innovationen wegweisend für den Flugzeugbau insgesamt – und dies, obwohl es von ihr nur ein paar Prototypen geben sollte.

Und während verschiedene Baumuster von Turbinen, neben dem Heinkel S 8 auch Junkers Jumo 004 und BMW 003, noch in der Entwicklung standen, begann bereits die Flugerprobung der He 280 mit Triebwerksattrappen zunächst im Schlepp- und Gleitflug. Am 30. März 1941 fand dann mit dem 2. Prototypen der erfolgreiche Erstflug mit den Heinkel-Triebwerken HeS 8 A statt. Die konventionell ausgeführte Zelle, ein Ganzmetallmitteldecker mit geraden Tragflächenvorder- und elliptischen Hinterkanten, fließenden Rumpflinien und doppeltem Seitenleitwerk, war gelungen, dagegen blieb der neuartige Antrieb nicht überraschend das Sorgenkind der Konstruktion. Die Heinkel S 8-Triebwerke unter den Tragflächen erlangten nicht vollständig die für den scharfen Einsatz notwendige Belastbarkeit und Betriebssicherheit. Und die ausgereifteren alternativen Triebwerke konnten nachträglich in der Zelle nicht optimal verbaut werden.

Die He 280 V2 in der Schnellflugabteilung unserer Modellsammlungen.  Im Maßstab 1/48 wird hier die internationale Entwicklung bei Antrieben und Aerodynamik vermittelt.

Dennoch wurden nach und nach alle verfügbaren Turbinenmuster in den lediglich acht gefertigten Flugzeugzellen der He 280 mit unterschiedlichem Erfolg erprobt, während von Heinkel initiierte Vergleichsflüge mit den stärksten deutschen Kolbenmotorjägern, vor allem der Focke Wulf 190 A, die Überlegenheit seiner Konstruktion mitsamt Turbinenluftstrahlantrieb bewiesen. Das RLM beugte sich schließlich den Fakten und gab 1942 einen Produktionsauftrag über zunächst 300 Stück frei – um ihn fast umgehend zurückzuziehen, nachdem die Messerschmitt Me 262 geflogen war – tatsächlich war die „Zwozwoundsechzig“ mit ihren gepfeilten Tragflächen und den für sie optimierten Jumo 004-Triebwerken, der stärkeren Bewaffnung und Vollsichthaube der He 280 überlegen und wurde der erste in Großserie gebaute und eingesetzte Düsenjäger der Luftfahrtgeschichte, das „Original“ hingegen verschwand aus der allgemeinen Wahrnehmung.

Gleichwohl war die brillante Konstruktion Willy Messerschmitts in der Grundkonfiguration dem Entwurf Ernst Heinkels und seines Teams gefolgt. Und bis heute darf die weitgehend unbekannte He 280 als Blaupause aller mehrstrahligen Jets und ebenso aller Düsenjäger gelten: ein Fall fürs Luftfahrtmuseum…

Die He 280 im kleinen Maßstab von schräg vorn. Gut sichtbar sind die verkleideten Düsentriebwerke unter den Tragflächen

Datenblatt der He 280 V 3 (Musterflugzeug der projektierten Serie A)

Länge 10,40 m, Spannweite 12,20 m, Startmasse 4.300 kg, Antrieb 2 x Heinkel HeS 8 A mit je 750 kp Standschub (testweise auch: Jumo 004, BMW 003, AS 014), Höchstgeschwindigkeit 750 km/h, Reichweite ca. 650 km, Bewaffnung 3 x MG 151/20 (2 cm-MK), Besatzung 1.

Willkommen!

Konnten wir Sie neugierig machen auf unsere Sammlungen mit über 40 Originalen und originalgetreuen Nachbauten von Segel-, Leicht-, Verkehrs- und Militärflugzeugen, noch einmal so vielen Triebwerken und Hunderten von Ausrüstungsgegenständen sowie unserer Modellsammlung? Dann freuen wir uns auf Ihren Besuch in der Ulmer Straße am hannoverschen Messegelände: Wir sehen uns! 

sb


Kontakt zum Autor der Modell-des-Monats-Reihe können Sie hier aufnehmen: Autor-MdM